Fragen & Antworten

Fragen und Antworten zum Konsum und zur Produktion von Fleisch mit Fokus auf Umelt und Gesundheit

Diese Fragen und Antworten zum Konsum und zur Produktion von Fleisch mit Fokus auf Umwelt und Gesundheit sind eine Aktualisierung des Faktenblatts «Fleischkonsum – Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit» (2020) der healthy3 Stakeholdergruppe zur Transformation des Fleischkonsums. Wir nehmen einige Fragen zu gesundheitlichen und ökologischen Aspekten auf und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das Literaturverzeichnis finden Sie unter der letzten Frage.

Teil 1: Konsum von Fleisch: Gesundheitliche Aspekte

Aus gesundheitlicher und aus ökologischer Sicht wird gemäss den Schweizer Ernährungsempfehlungen für gesunde Erwachsene im Alter von 18 bis 65 Jahren empfohlen, maximal 2-3 Mal pro Woche Fleisch (inklusive Geflügel und verarbeitetes Fleisch) zu essen. (1)

Eine Portion entspricht ca. 100-120 Gramm, insgesamt also maximal 200-360 Gramm Fleisch pro Woche. (1,1a)

Eine vegetarische Ernährung ist aus gesundheitlicher und ökologischer Sicht genauso möglich und empfehlenswert. (1b)

In der Schweiz wird 3 Mal mehr Fleisch gegessen als empfohlen, also bis zu 9 Portionen Fleisch pro Woche inkl. Fleischprodukte wie Wurst, Speck, Aufschnitt und Hackfleischprodukte. Das sind im Durchschnitt 111 Gramm pro Person und Tag (18 bis 75-Jährige, ohne Fisch). (2,16)

Von den durchschnittlich 111 Gramm pro Person und Tag werden 67 Gramm unverarbeitetes Fleisch (davon 27 Gramm Geflügelfleisch) und 44 Gramm verarbeitete Fleischprodukte gegessen: (2)

Das Pro-Kopf-Angebot* liegt in der Schweiz bei 49,86 Kilogramm verkaufsfertigem Fleisch pro Jahr (2024) ohne Einkaufstourismus, Fisch und Krustentiere. (18)

*Die im Agrarbericht 2024 zitierte Statistik verwendet neu den Begriff «Pro-Kopf-Angebot» statt «Pro-Kopf-Konsum». Damit soll klargestellt werden, dass es sich nicht um die Menge des durch die Konsument*innen verzehrten Fleisches handelt, sondern um die Fleischmenge, die in der Gastronomie und im Detailhandel zum Konsum angeboten wird (d.h. inklusive Food Waste). (16)

Fleisch gilt als guter Proteinlieferant, weil es einen hohen Gehalt aufweist und das Fleischprotein gleichzeitig eine hohe biologische Wertigkeit hat. Fleisch ist ausserdem eine bedeutende Quelle für Mineralstoffe (Eisen, Zink), Vitamine (Vitamine B1, B12, Niacin und Vitamin A) und Spurenelemente (Selen).

Fleisch weist im Durchschnitt einen Proteingehalt von über 20 Gramm pro 100 Gramm auf. Der Fettgehalt variiert je nach Fleischart und Verarbeitungsgrad und der Kohlenhydratgehalt liegt nahe bei 0 Gramm pro 100 Gramm.

Unter verarbeiteten Fleischprodukten werden z.B. Cervelat, Bratwurst, Wurstwaren und Aufschnitt, gepökeltes und getrocknetes Fleisch (z.B. Bündnerfleisch, Rohschinken), Aufstriche und andere Produkte zusammengefasst. Da die Gruppe der verarbeiteten Fleischprodukte sehr heterogen ist, ist keine generelle Aussage zum Nährstoffgehalt möglich. Verarbeitete Fleischprodukte wie Wurst und Wurstwaren, enthalten im Allgemeinen mehr Fett und weniger Protein als Muskelfleisch. Mit dem höheren Fettgehalt geht auch ein höherer Energiegehalt einher. (6)

Weitere Stücke und Teile des Tieres wie z.B. Braten, Ragout, Geschnetzeltes, Gehacktes oder Innereien variieren sehr stark in ihrem Nährwertgehalt. Einige dieser Stücke – auch bekannt als Second Cuts oder Nose-to-tail-Produkte* – stechen durch besonders hohe Mengen an gewissen Mikronährstoffen (Vitamine, Mineralstoffe), so z.B. Vitamin A in Leber, Eisen in Blutwurst, Niere und Leber hervor. (1, 6, 7)

Ein regelmässiger, hoher Konsum von verarbeitetem Fleisch bzw. rotem Fleisch* kann sich gemäss aktueller Studienlage negativ auf die Gesundheit auswirken und das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, Dickdarmkrebs und Typ 2 Diabetes erhöhen.

Ab 50 Gramm verarbeitetem Fleisch pro Tag erhöht sich das Risiko für Diabetes Typ 2.

Bei rotem Fleisch kann sich ab 50 Gramm pro Tag, das Risiko für Dickdarmkrebs und ab 100 Gramm pro Tag, das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen erhöhen. (1a)

Einfluss auf das gesundheitliche Risiko nehmen in erster Linie eine zu hohe Menge (s. Fragen 1 und 2), Inhaltsstoffe, wie z.B. gesättigte Fettsäuren, Nitrit und Salz (insbesondere in verarbeiteten Fleischwaren) sowie die Art der Zubereitung (z.B. Grillieren, Panieren). (1a, 3, 4, 10, 11)

Für eine angemessene Proteinzufuhr wird empfohlen, verschiedene pflanzliche und – je nach Ernährungsweise – tierische Proteinquellen zu kombinieren und über den Tag verteilt zu essen.

Wer ganz auf tierische Proteine verzichtet, sollte auf Abwechslung bei den pflanzlichen Proteinquellen und auf geeignete Kombinationen der pflanzlichen Proteinquellen (z.B. Reis + Bohnen, Pasta + Linsen) achten, um sicherzustellen, dass alle essenziellen Aminosäuren aufgenommen werden. Weiterführende Informationen zum Proteingehalt und zur -qualität tierischer und pflanzlicher Proteine:

Bei pflanzlichen Alternativen zu Fleisch (Fleischersatzprodukten) empfiehlt es sich auf eine möglichst schonende Verarbeitung, wenig Zusatzstoffe und ökologische Herkunft der Produkte zu achten.

Häufig gestellte Fragen rund um pflanzliche Proteinlieferanten und Alternativen zu Fleisch:

Teil 2: Produktion und Konsum von Fleisch: Auswirkungen auf die Umwelt

28 % der durch den schweizerischen Konsum im In- und Ausland verursachten Umweltbelastungen sind auf die Ernährung zurückzuführen. (12) Dafür ist vorrangig der Verzehr von tierischen Lebensmitteln aus dem In- und Ausland verantwortlich. (13, 24, 30)

In der Schweiz stammt über ein Drittel (36%) der durch die Ernährung verursachten Umweltbelastung aus der Produktion und dem Konsum tierischer Lebensmittel wie Fleisch, Milch, Milchprodukte und Eier. (24)

Für die Erzeugung tierischer Lebensmittel wie Fleisch, werden global betrachtet knappe Ressourcen wie fruchtbarer Boden, Ackerland, fossile Energie und Wasser benötigt.

Die Produktion tierischer Lebensmittel wie Fleisch ist grundsätzlich ressourcenaufwändig und verursacht grosse Mengen an Treibhausgasen. Viele Ressourcen (z.B. Boden, Wasser, fossile Energien) werden insbesondere für die Produktion von Futtermitteln benötigt.

Je nach Produktionssystem kommen bei der Herstellung von Futtermitteln Düngemittel und Pestizide zum Einsatz, was zu Biodiversitätsverlusten, Boden- und Gewässerbelastungen (inkl. Trinkwasser) führt. Ausserdem werden fossile Energien für Fahrzeuge, Maschinen etc. benötigt.

Hinzu kommen die Emissionen von Ammoniak und klimaschädlichen Treibhausgasen (CO2, Lachgas und Methan) durch die Verdauungsaktivität und die Ausscheidungen der Tiere. (14, 30, 32)

Die Tierhaltung und der Anbau von Futtermitteln sind im Ausland – z.B. in Südamerika – häufig mit Waldrodungen verbunden, was sich ebenfalls nachteilig auf das Klima und die Artenvielfalt auswirkt. (14) Dieser Aspekt spielt global betrachtet und bei importiertem Fleisch eine Rolle. 20 % des Fleisches wird in die Schweiz importiert (siehe Frage 14).

Teil 3: Produktion von Fleisch: Futtermittel, Nahrungsmittel- und Flächenkonkurrenz

84 % des Tierfutters – Raufutter wie Gras, Heu oder Silage – werden in der Schweiz produziert. 16 % werden importiert, insbesondere Kraftfutter wie Getreide, Futtererbsen und Soja (vor allem aus Europa). (29)

Von den rund 15 Millionen Nutztieren in der Schweiz werden insbesondere Geflügel, Schweine und Milchkühe mit Kraftfutter sowie mit Nebenprodukten aus der Lebensmittelindustrie (= 20 % des Schweizer Mischfutters) gefüttert. Rund 46 % des Proteins im Kraftfutter stammen aus Importen.

2023 wurden 210’000 Tonnen Sojaschrot für Futtermittel importiert – 97 % aus Europa und 3 % aus Brasilien. (17, 29, 33, 36)

Ohne den Import von Futtermitteln könnte in der Schweiz etwa die Hälfte der heutigen Fleischmenge* produziert werden. 40 % der Treibhausgas-Emissionen würden eingespart. (28)

Nahrungsmittel- und Flächenkonkurrenz weltweit: Die Produktion von Kraftfutter wie Getreide und Soja für die Fleisch- und Milchproduktion, steht in direkter Konkurrenz zur menschlichen Ernährung. Rund 1/3 der weltweit für die Produktion von Futtermitteln beanspruchten Landfläche ist Ackerland, welches direkt für die Produktion von Nahrungsmitteln für die menschliche Ernährung genutzt werden könnte (Stichwort «feed no food»). (15) Weltweit werden ca. 70 % aller landwirtschaftlichen Nutzflächen für die Tierhaltung beansprucht.

Nahrungsmittel- und Flächenkonkurrenz in der Schweiz: In der Schweiz werden gemäss Agrarbericht 2024 rund 58 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche als Grasland (Dauergrünland) und 38 % als Ackerland bewirtschaftet. Das Ackerland wird in der Talzone zu 55 % für die Produktion von Futtermitteln genutzt (z.B. Mais, Futtergetreide etc.) (16)

Eine ressourcengerechte Produktion bedeutet, dass sich die Nutztiere von Flächen ernähren, die sich nicht direkt für die Produktion menschlicher Nahrungsmittel eignen – von Grünland, d.h. Wiesen, Weiden und Alpweiden sowie von Nebenprodukten der Nahrungsmittelproduktion. Da sich nur Wiederkäuer, wie z.B. Rinder, Schafe und Ziegen von Gras ernähren können, hätte dies potenziell eine starke Reduktion der Produktion von Schweine- und Geflügelfleisch zur Folge. (19)

Ressourcengerecht bedeutet auch, dass für die Produktion von Rindfleisch kein Ackerfutter, wie z.B. Getreide oder Silomais, verwendet wird. Eine rein graslandbasierte Rindfleischproduktion braucht doppelt so lange wie die Intensivmast mit Kraftfutter und Mais (2 statt 1 Jahr). Wenn man die Treibhausgasemissionen pro Kilogramm Fleisch rechnet, ist man mit der extensiven Weidemast gegenüber intensiven Systemen im Nachteil und in der Kritik. Die längere Mastdauer ist weniger rentabel, da weniger Tiere pro Stallplatz und Jahr gehalten werden können. Diesen Nachteil können Produzent*innen von Weiderindfleisch nicht mit einem höheren Verkaufspreis kompensieren. (37)

Der Grundgedanke der ökologisch nachhaltigen Landnutzung ist, Ackerland direkt für den Anbau von Nahrungsmitteln zu nutzen und nicht für die Produktion von Futtermitteln. Siehe auch Frage und Antwort 10.

Die ökologisch nachhaltigste Form der Graslandnutzung und Tierhaltung in der Schweiz beruht auf dem Konzept, dass in erster Linie Kälber von Milchkühen aus der graslandbasierten Milchproduktion genutzt werden. Zum einen, da die Produktion von Milch und Rindfleisch aus Gras (noch) ökoeffizienter ist als die alleinige Produktion von Rindfleisch aus Gras. Zum anderen, da so den Kälbern aus der Milchproduktion ein möglichst artgerechtes Leben ermöglicht werden kann: Statt vom Milchbetrieb nach 21 Tagen auf einen Kälbermastbetrieb «verschoben» zu werden, können die Kälber am Geburtsort mit Milch und Raufutter aufgezogen werden, sodass sie ein gutes Immunsystem und eine hohe Futteraufnahmefähigkeit entwickeln. Anschliessend leben sie auf der Weide. Hier werden die Tiere weidebasiert mit 95-100 % Raufutter gemästet und dann geschlachtet.

Ein weiterer Vorteil dieser Produktionsart ist, dass durch die geschlossenen Kreisläufe und die gute Lebenssituation der Kälber, der Einsatz von Antibiotika und damit auch die Entstehung von Antibiotikaresistenzen massgeblich reduziert werden.

Auf diese Art wird die Milch- und Fleischproduktion in einem Kreislauf zusammengeführt, die Konzepte Weidehaltung und artgerechte Tierhaltung kombiniert, die Landnutzung optimiert und die Biodiversität gefördert. (38)

Die Produktion von Milch und Fleisch ist eng miteinander verbunden: Eine Milchkuh muss jedes Jahr ein Kalb gebären, um Milch zu geben. Diese Kälber werden meist für die Fleischproduktion genutzt.  In nachhaltigen Systemen wird angestrebt, Milch und Fleisch gemeinsam zu produzieren, zum Beispiel indem Kälber auf dem Geburtsbetrieb mit Milch und Raufutter aufgezogen und später weidebasiert gemästet werden (siehe Antwort 12). Das verbessert Tierwohl und senkt den Einsatz von Antibiotika. Ökologisch ist die gekoppelte Milch- und Fleischproduktion effizienter, da ein Tier zwei Lebensmittel liefert, vor allem wenn überwiegend Grasland als Futter genutzt wird. (39, 40)

Gemäss Proviande (2024) werden in der Schweiz folgende Fleischmengen (Verkaufsgewicht in Tonnen) produziert und aus dem Ausland importiert:

Rind Kalb Schwein Geflügel
Produktion CH 81’621 18’535 162’634 91’983
Import 23’246 398 14’022 54’836

20 % des in der Schweiz konsumierten Fleisches wird importiert: vorwiegend Geflügel-, Rind-, Schaf- und Pferdefleisch sowie Wurstwaren und Rohschinken (2023). Beispielsweise wurden im Jahr 2024, 35’631 Tonnen Pouletbrüste in die Schweiz importiert, fast die Hälfte davon stammt aus Brasilien. (16, 18)

Teil 4: Food Waste beim Fleisch

In der Schweiz gehen:

  • 24 % des Rindfleischs
  • 23 % des Schweinefleischs
  • 17 % des Geflügelfleischs

verloren oder werden verschwendet. Der grösste Teil der Verluste entsteht in der Verarbeitung und im Privathaushalt. Einer der Gründe für die Verluste in der Verarbeitung, ist die mangelnde Nachfrage nach gewissen Teilen des Tieres (z.B. Innereien, Legehennen). (34)

Beispiel Food Waste beim Rind: Vom Rind werden 37 bis 50 % als Lebensmittel verwertet (auch für Würste, Hackfleisch etc.), 12-15 % gehen ins Haustierfutter, 8-10 % in die Biogasanlage und 18-21 % werden verbrannt und dienen als Brenn-/Treibstoff. Viele Stücke werden von Konsument*innen wenig akzeptiert wie Herz, Nieren, Zunge oder Leber. (7)

Verluste und Verschwendung tierischer Lebensmittel, zu deren Herstellung viele Ressourcen wie Boden, Wasser, Düngemittel etc. benötigt und Treibhausgase ausgestossen werden, haben einen besonders grossen Einfluss auf die Umwelt. (21, 34) Mit jeder Verarbeitungs- und/oder Transportstufe nimmt die Umweltbelastung eines Lebensmittels zu, da diese Prozesse weitere Ressourcen benötigen und Treibhausgase ausgestossen werden.

Die Infografik von foodwaste.ch zeigt, welche Arten von Food Waste die Umwelt am meisten belastet. Je grösser das abgebildete Produkt, desto häufiger werden diese Lebensmittel verschwendet. Je weiter oben das Produkt in der Grafik steht, desto grösser ist die Umweltbelastung pro Kilogramm Lebensmittel und damit die Wichtigkeit Food Waste bei diesen Produkten zu vermeiden und wertschätzend damit umzugehen:

Gemäss Schätzungen von 2017 (siehe auch Frage 16) entstehen in der Schweiz beim Fleisch jährlich über 100’000 Tonnen Lebensmittelverluste zwischen Schlachthof und Teller. Der grösste Teil davon entsteht wegen der Bevorzugung sogenannter Edelstücke/Kurzbratstücke und mangelnder Nachfrage nach den übrigen Teilen der Tiere, z.B. nach Innereien. In den Privathaushalten wird ein grosser Teil wegen der Fehlinterpretation von Haltbarkeitsdaten oder wegen zu grossen Portionen verschwendet. Insgesamt wären die meisten dieser Lebensmittelverluste vermeidbar. (34) Sowohl die Vermarktung der weniger nachgefragten Teile als auch das Einkaufs- und Konsumverhalten in den Privathaushalten, sind Schlüsselfaktoren für die Vermeidung.

Teil 5: Letzte Frage & Tipps für den Alltag

Diese Frage ist nicht eindeutig zu beantworten, denn es sind verschiedene Aspekte zu beachten. Grundsätzlich gilt: Fleisch massvoll konsumieren, abwechslungsreich essen, Verschwendung von Fleisch vermeiden und möglichst das ganze Tier verwerten. Fleisch aus artgerechter Haltung (Weide-/Freiland) bevorzugen. Siehe dazu auch Frage und Antwort 19.

Poulet gilt aus gesundheitlicher Sicht als unbedenklich. Für die Pouletmast wird jedoch viel Kraftfutter benötigt. Siehe Problematik Nahrungsmittel- und Flächenkonkurrenz Frage 10. Gleichzeitig ist die Pouletmast aus ökologischer Sicht «effizienter» (= es können grössere Mengen Pouletfleisch pro Futter und Zeit produziert werden), weshalb die Ökobilanz von Pouletfleisch pro Kilogramm Fleisch besser als von Rindfleisch ist. Wird jedoch die Flächen- und Nahrungsmittelkonkurrenz berücksichtigt, ist graslandbasiertes Rindfleisch ökologischer als Pouletfleisch. Der Import von Pouletfleisch aus Ländern wie Brasilien ist zudem aus sozialer Sicht problematisch.

Schweinefleisch zählt wie Rindfleisch zu rotem Fleisch, was gemäss der aktuellen Studienlage bei einem zu hohen Konsum mit gesundheitlichen Risiken einhergehen kann (siehe Frage 4). Als Futtermittel wird bei der Produktion von Schweinefleisch neben Nebenprodukten aus der Nahrungsmittelindustrie, auch Kraftfutter benötigt.

Rind-, Schaf-, Ziegenfleisch zählen zum roten Fleisch, was gemäss aktuellen Studien bei einem zu hohen Konsum mit gesundheitlichen Risiken einhergehen kann (siehe Frage 4). Aus ökologischer Sicht ist rotes Fleisch von Wiederkäuern empfehlenswert, da sie Gras / Heu fressen, das für Menschen unverwertbar ist und Flächen nutzen, die sich nicht für den Ackerbau eignen (z.B. Alpweiden in der Schweiz). Dieses Futter stellt somit keine Nahrungsmittelkonkurrenz für Menschen dar (siehe Frage 10).

Ergänzende Informationen zum Thema siehe Fragen und Antworten 8-12.

  • Maximal zwei- bis dreimal Fleisch (inklusive Geflügel und verarbeitetes Fleisch, z.B. Cervelat, Salami, Aufschnitt etc.) pro Woche essen, denn der grösste Hebel für positive Umwelt- und Gesundheitseffekte liegt bei der konsumierten Menge.
  • Fleisch in kleinen Mengen einkaufen und das Fleisch sowie Fleischprodukte wie Wurstwaren vor dem Verbrauchsdatum essen und wertschätzen. So leisten Sie einen Beitrag gegen die Food Waste beim Fleisch. Weitere Informationen zum Verbrauchs- und Mindesthaltbarkeitsdatum.
  • Nicht mehr als 1 Mal pro Woche verarbeitetes Fleisch, wie Cervelat, Salami, Aufschnitt etc. essen und fettarme Zubereitungsarten von Fleisch bevorzugen (z.B. Schmoren, Sieden anstatt Panieren).
  • Abwechslungsreich essen und beim Einkauf von Fleisch verschiedene Fleischsorten/Tierarten (z.B. Rind, Schwein, Geflügel) und Fleischstücke (z.B. Ragout, Braten, Kurzbratstücke) wählen. Das begünstigt eine vielfältige Nährstoffzufuhr und die Tiere werden ganzheitlicher verwertet.
  • Beim Einkaufen und in der Ausser-Haus-Verpflegung Fleischstücke wie Siedfleisch, Schmorstücke, Hackfleisch, Fleisch von Legehennen und Bruderhähnen etc. anstelle von Filet und Pouletbrust bevorzugen und damit gegen Food Waste beim Fleisch beitragen. Im Zweifelsfall ein Menü ohne Fleisch wählen.
  • Auf die Herkunft und Produktionsbedingungen achten, nachfragen, Label als Entscheidungshilfe nutzen, Fleisch aus biologischer, regionaler und graslandbasierter Produktion (bei Fleisch von Wiederkäuern) bevorzugen und damit einen Beitrag zum Tierwohl und zur Umwelt leisten.
  • Eine ausgewogene Ernährung ist auch ohne Fleisch möglich: Eine Vielfalt an Hülsenfrüchten, wie z.B. Linsen, Kichererbsen, Bohnen, Sojabohnen und daraus hergestellte Produkte (z.B. Hummus, Tofu) sowie Nüsse, Samen und Vollkorngetreideprodukte, bieten wertvolle Inhaltsstoffe und pflanzliche Proteine.

Weitere Informationen: Optimaler vegetarischer Teller  & Merkblatt vegetarische Ernährung, Merkblatt vegane Ernährung

  1. Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE, Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV (2024): Schweizer Ernährungsempfehlungen für Erwachsene. sge-ssn.ch/lebensmittelpyramide

1a)  P. Marques-Vidal et al. Centre hospitalier universitaire vaudois CHUV (2023): Swiss dietary recommendations: scientific background.

1b)  Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE: (2022) Merkblatt vegetarische Ernährung (ovo-lacto-vegetarische Ernährung).

  1. Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (2017): Fachinformation Ernährung – Fleischkonsum in der Schweiz 2014/15. https://www.blv.admin.ch/blv/de/home/lebensmittel- und-ernaehrung/ernaehrung/menuch/menu-ch-ergebnisse-ernaehrung.html
  2. Eidgenössische Ernährungskommission EEK (2014): Gesundheitliche Aspekte des Fleischkonsums – Stellungnahme der Eidgenössischen Ernährungskommission zur aktuellen epidemiologischen Datenlage. Expertenbericht der EEK. Zürich: Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV.
  3. Federal Commission for Nutrition FCN (2019): Reappraisal of the scientific evidence linking consumption of foods from specific food groups to non-communicable diseases. An expert report of the Federal Commission for Nutrition.
  4. World Cancer Research Fund, American Institute for Cancer Research. Diet, nutrition, physical activity and cancer: A global perspective – the third expert report London, UK 2018. https://www.wcrf.org/diet-and-cancer/
  5. Fleischkonsum aus gesundheitlicher Sicht (Arbeitspapier), Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE im Auftrag von healthy3, 2020.
  6. Proviande (2019): Mehr als Filet, Entrecôte und Co. Erkenntnisse und Impulse aus dem Projekt Savoir-Faire (2016-2019): https://www.proviande.ch/sites/proviande/files/2020-02/Mehr_als_Filet_Entrecote_Co.pdf
  7. Schwingshackl L, Hoffmann G, Iqbal K, Schwedhelm C, Boeing H. (2018): Food groups and intermediate disease markers: a systematic review and network meta-analysis of randomized trials. Am J Clin Nutr. 2018;108(3):576-586.
  8. Bouvard V, Loomis D, Guyton KZ, et al. (2015): Carcinogenicity of consumption of red and processed meat. Lancet Oncol. 2015;16(16):1599-1600.
  9. Glei M (2013): Gesundheitliche Konsequenzen des Fleischkonsums (Teil 1). Ernährungsumschau 11/2013 S 43-46
  10. Glei M (2013): Gesundheitliche Konsequenzen des Fleischkonsums (Teil 2). Ernährungsumschau 12/2013 S 47-49
  11. Bundesamt für Umwelt BAFU (2011): Environmental Impacts of Swiss Consumption and Production, Federal Office for the Environment FOEN, 2011. http://www.bafu.admin.ch/publikationen/publikation/01611/index.html?lang=en
  12. Jungbluth N, et al. (2015): Ökoprofil von Ernährungsstilen: https://www.wwf.ch/sites/default/files/doc-2021-05/jungbluth-2015-Ernaehrungsstile-WWF.pdf
  13. Food and Agriculture Organization of the United Nations, FAO (2013): Tackling climate change through livestock: A global assessment of emissions and mitigation opportunities.
  14. Heinrich Böll Stiftung (2018): Fleischatlas 2018: Daten und Fakten über Tiere als Nahrungsmittel. 6. Auflage.
  15. Bundesamt für Landwirtschaft BLW (2024): Agrarbericht 2024. https://www.agrarbericht.ch/
  16. Bundesamt für Statistik BFS (2024). Importierte Futtermittel. https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/land-forstwirtschaft/ernaehrung/industrie-handel-gastronomie.assetdetail.32348502.html
  17. Proviande (2024): Der Fleischmarkt im Überblick proviande.ch/de/der-fleischmarkt-in-zahlen
  18. Baur, P und Flückiger S (2018): Nahrungsmittel aus ökologischer und tiergerechter Produktion. Eine Studie im Auftrag von Greenpeace Schweiz. Wädenswil: ZHAW Institut für Umwelt und natürliche Ressourcen.
  19. Mehner, E., Ehlers, M.-H., et al. Fleisch- und Milchersatzprodukte – besser für Gesundheit und Umwelt? Auswirkungen auf Ernährung und Nachhaltigkeit, die Sicht der Konsumentinnen und Konsumenten sowie ethische und rechtliche Überlegungen. TA-SWISS Publikationsreihe (Hrsg.): TA84/2024.
  20. Bundesamt für Umwelt BAFU (2019): Lebensmittelverluste in der Schweiz: Umweltbelastung und Vermeidungspotenzial. bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/abfall/abfallwegweiser-a-z/biogene-abfaelle/abfallarten/lebensmittelabfaelle.html
  21. WWF Schweiz (2014): Lebensmittelverluste bei Fleisch, Gemüse und Brot, Schätzungen und Handlungsansätze für die Schweiz.
  22. Fehr Advice (2015): Ernährung & Nachhaltigkeit in der Schweiz: Eine verhaltensökonomische Studie. Mit Unterstützung des Bundesamtes für Umwelt BAFU.
  23. Zimmermann A, Nemecek T, Waldvogel T (2017): Umwelt- und ressourcenschonende Ernährung: Detaillierte Analyse für die Schweiz. Agroscope Science. 55, 2017, 1-180. Eine Analyse im Auftrag des Bundesamtes für Landwirtschaft BLW.
  24. Willett W, Rockström J, Loken B, et al. (2019): Food in the Anthropocene: the EAT–Lancet Commission on healthy diets from sustainable food systems. The Lancet. 2019;393(10170):447-492.
  25. Springmann M, Spajic L, Clark M A, et al. (2020): The healthiness and sustainability of national and global food based dietary guidelines: modelling study. BMJ. 2020; 370.
  26. Fesenfeld L, Mann S, Meier M, et al. (2023): Wege in die Ernährungszukunft der Schweiz: Leitfaden zu den grössten Hebeln und politischen Pfaden für ein nachhaltiges Ernährungssystem. SDSN Schweiz – https://doi.org/10.5281/zenodo.7543576
  27. Baur P, Krayer P (2021): Schweizer Futtermittelimporte – Entwicklung, Hintergründe, Folgen. Schlussbericht zum Forschungsprojekt der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) im Auftrag von Greenpeace Schweiz.
  28. Schweizer Bauernverband (2021): Inlandanteil, Importe und Verwendung der Futtermittel. https://www.sbv-usp.ch/de/agristat-aktuell-02-21-inlandanteil-importe-und-verwendung-der-futtermittel
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  30. Stettler A., Probst S. (2023): Wie viele Nutztiere braucht die Schweiz zur optimalen Landnutzung. Agrarforschung Schweiz.

https://www.agrarforschungschweiz.ch/2023/12/wie-viele-nutztiere-braucht-die-schweiz-zur-optimalen-landnutzung/

  1. Bundesamt für Landwirtschaft BLW, Bundesamt für Umwelt BAFU, Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) (2024): Klimastrategie Landwirtschaft und Ernährung 2050.
  2. Wasem D., Probst, S. (2020): Nutztiere verwerten Nebenprodukte aus der Lebensmittelindustrie. Agrarforschung Schweiz. https://www.agrarforschungschweiz.ch/2020/11/nutztiere-verwerten-nebenprodukte-aus-der-lebensmittelindustrie/
  3. Beretta C. Hellweg S. (2019): Lebensmittelverluste in der Schweiz. Umweltbelastung und Vermeidungspotenzial. Wissenschaftlicher Schlussbericht. https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/wirtschaft-konsum/ressourcenschonung-und-kreislaufwirtschaft/lebensmittelabfaelle.html
  4. Souci SW, Fachmann W, Kraut H (2016): Die Zusammensetzung der Lebensmittel – Nährwert-Tabellen, Stuttgart, 8. revidierte und ergänzte Auflage.
  5. Soja Netzwerk Schweiz (2024): Positionspapier zur nachhaltigen Proteinversorgrung der Schweiz. https://www.sojanetzwerk.ch/ueber-soja/#p-produktion-und-handel
  6. Meier M, BFH-HAFL (2023): Auswirkungen einer standortangepassten Milch- und Rindfleischproduktion. Akademie der Naturwissenschaften Schweiz SCNAT.
  7. Hessle A, Dahlström F, Lans J, et al. (2024): Beef production systems with dairy × beef heifers based on forage and semi-natural grassland, Acta Agriculturae Scandinavica, Section A — Animal Science, 73:3-4, 105-116.
  8. Probst St., Wasem D., Kobel D., Zehetmeier M., Flury Ch. (2019): Greenhouse gas emissions from coupled dairy-beef production in Switzerland. Agrarforschung Schweiz. https://www.agrarforschungschweiz.ch/en/2019/11/greenhouse-gas-emissions-from-coupled-dairy-beef-production-in-switzerland/?utm_source=chatgpt.com
  9. Qasim, Hessle A. et al. (2025): Meat quality of dairy and dairy x beef steers reared in tow production systems based on forages and semi-natural pastures. Animals 2025, 15(8), 1081; https://doi.org/10.3390/ani15081081